Fuerteventura/Teneriffa 01.08.2009 - 15.08.2009

Ein letzter Blick auf die Bucht von Médano vom Flieger aus, dann verschwinden die bunten Segel und Kites aus meinem Blickfeld, genauso wie die Bucht, in der ich noch einen Tag zuvor einen unerwartet genialen Surftag gehabt habe, und wir befinden und über dem Atlantik. Es scheint lange her, dass ich den Flieger vor etwas über zwei Wochen auf Fuerte verlassen und dennoch ist die Zeit wie immer viel zu schnell vergangen...

Woche 1

Es ist früh am morgen, irgedwas zwischen 9 und 10 Uhr Ortszeit, doch als wir den Flieger verlassen und in den Tunel treten, der uns zu unserem Gepäck bringt, schlägt uns extreme Hitze entgegen. Bei etwa 600 Passagieren, die an zwei Bändern auf ihre Taschen warten (Flieger aus Köln und Düsseldorf sind fast gleichzeitig angekommen) dauert es eine Weile bevor wir unsere Taschen haben und uns auf den Weg nach Sotavento machen können.
Dort angekommen erscheint auf der ersten Blick alles prima, der Wind schein gut zu sein, es sind Surfer auf dem Wasser und Segel zwischen 4.2 und 4.7 liegen aufgeriggt am Strand rum. Doch der Wind scheint etwas zu schwach für 4.7, also rigge ich 5.3 auf und pünktlich nach einem genialen Schlag ist der Wind komplett weg. Aber wir sind vom frühen Abflug ohnehin noch müde und darum ist nichts schöner als am Strand, bzw. der Strandbar rumzuhocken und Cortados/Cola zu trinken. Und tatsächlich lohnt sich das Warten und ich kann wenige Zeit später  einige Stunden überpowert auf dem Meer vor Center 2 verbringen.
So oder so ähnlich verliefen auch die Tage darauf. Auf die Vorhersage war nicht wirklich verlass, aber spätestens am Abend kam der Wind (oder ging, wenn er vorher gut gepustet hat). Auch die Lagune kam und ist z.T. richtig tief geworden verglichen mit letztem Jahr. So hatten wir schonmal Mühe Michael samt Rucksack trocken von seiner Sandbank zu bekommen. Dadurch wurde auch das Wasser kabelliger und man musste beim Absprung etwas konzentrierter sein, da sonst schnell ein unkontrollierter Abgang wahrscheinlich ist. Aber das tut der Eignung der Lagune als Freestyle Trainingsspot kaum einen Abbruch und so hüpf ich nach zwei Tagen intensivem Airjibetraining wie wild im Wasser rum. Endlich hat es geklappt: ich komme vernünftig rum, sogar ohne mich mit beiden Händen am Gabelbaum festzukrallen, slide weiter etc. Kurz gesagt: Airjibe läuft, wenn auch wahrscheinlich noch ne Menge Versuche notwendig sind, damit man von sicherem Stehen sprechen kann.
Wenn keine Lagune da war oder sie einfach nur genervt hat, war ich an der Sandbank und habe mich an den Backloop getastet. Dieser erscheint mir irgendwie weniger furchteinflößend als der Front, aber so wirklich weit komme ich noch nicht rum. Meist endet es mit einem Rückenplatscher, zum Glück bisher immer in sicherem Abstand zu m einem Material. Viel zu schnell verging die Woche und so sehr ich mich auf Teneriffa freute, so schwer fiel es mir, Fuerte mit den nicht ganz leichten, aber inzwischen doch vertrauten Bedingungen zurückzulassen. Vor allem auf den extrem böigen Wind könnte ich doch verzichten. Drei Segel an einem Tag aufzuriggen und dann doch nie das richtige Material zu haben werde ich mit Sicherheit nicht vermissen (und ich schätze ich war nicht die einzige, B-72 schob erst einen Move nach dem anderen raus, riggte dann um und fuhr kurze Zeit später einfach nur hin und her, bevor er dann doch zusammenpackte).
Alles in allem eine erfolgreiche Zeit, die die Tauglichkeit als Trainingsrevier erfolgreich unter Beweis gestellt hat.


Surfpics Fuerteventura

 

Woche 2

Ratlos stehen wir an der Fähre und versuchen den wenig kooperativen Mitarbeitern von Navierra Armas klarzumachen, dass unser Surfgepäck in den Gepäckwagen soll. „More ticket“ or „up“ und dazu der Blick die Treppe hoch zur Fähre. Ich verzweifelt, Mike leicht verärgert. „Up there? Fine“ und krallt sich ohne mit der Wimper zu zucken mein vollgepacktes Sailbag und schleppt es geschätzte vier oder fünf Stockwerke hoch, als wäre es ein Rucksack. Für das Board dürfen wir gnädigerweise den Aufzug vom Autodeck nutzen. Dass die Taschen die ganze Überfahrt lang die Notausgänge blockierten schien die Mitarbeiter weniger zu stören, als dass der Gepäckwagen hätte zu voll werden können (übrigens beinhaltete der neben unseren Taschen nur noch 3 weitere und hätte daher noch Platz für mind. 4 Double Boardbags und genauso viele Sailbags gehabt). Laut Plan oder sollten wir in 2-2:30h bis Las Palmas de G.C. brauchen und dann weitere 2h bis Santa Cruz de Tenerife. Diese Zeit erhöhte sich auf insgesamt 6h und bei starkem Seegang war besonders der zweite Teil der Überfahrt extrem anstrengend und unangenehm (zumindest bis mir auffiel, dass man auf der Fähre Tabletten gegen Reiseübelkeit kaufen konnte). Scheint, als würde ich mich auf kleineren Fahrzeugen auf dem Meer wohler fühlen.

Schließlich erreichten wir doch Teneriffa, wo uns Ralf von der Autovermietung half unser Zeug zusammenzusuchen und auf den Citreon Saxo (geschätztes Baujahr 1985) zu laden. „Fahrt mir einfach nach…“ Leichter gesagt, als getan. Wir hatten Mühe den Saxo mit 70kg auf dem Dach auf das Tempo von  Ralfs (neuem) Polo zu bekommen und das Vertrauen in den Dachgepäckträger bei 150km/h 70kg auf dem Dach zu halten hielt sich auch in Grenzen. Inzwischen war es etwa 2 Uhr morgens, doch nach einer Handyumbauaktion im dunklen erreichten wir unsere Vermieterin und ich konnte beruhigt den Rest der Fahrt verpennen. So gegen 3 bezogen wir unser Quartier mit direktem Blick auf die Bucht von Cabezo.

Die nächsten zwei Tage heizte uns der Passat mächtig ein, doch danach war erstmal Flaute angesagt. Nicht weiter schlimm, schließlich waren wir noch nie auf Teneriffa gewesen und so machten wir uns auf ausgiebige Sightseeing Touren. Als am Freitag die Vorhersage magere 14 Knoten max. anzeigen war ich aber doch frustriert. Mein letzter Tag hier und ich sollte ihn unsurfig verstreichen lassen? Auf zu OTV, ein größeres Board mieten und Helitacks und Zeug üben. Gesagt getan, Fanatic Freewave 104 unter die Füße, 5.3 drauf. Ich steige auf, denke, dass es doch ganz ordentlich windet und dank des super anleitenden Fanatics bin ich auf einmal im Gleiten. Später tausche ich das Board gegen ein 90l RRD Freestyle Wave und sogar das 5.3 war stellenweise zu groß. Ein perfekter und entspannter Abschlusstag für diesen Trip, in dem ich klasse Tage hatte, den Frontloop die ersten Male richtig probiert habe und von Médano und Cabezo in den Bann gezogen wurde. Bestimmt nicht mein letzter Trip nach Teneriffa.


Surfpics Teneriffa

 

Nach einem turbulenten Flug setzen wir um 23.10 Ortszeit in Düsseldorf auf. Die Luft ist warm, fast wie in Médano. Mit einer bereits perfekten Effizienz laden wir das Zeug auf und fahren zuerst zu meinen Eltern, dann nach Hause. Beim Eintreten in unsere Wohnung freue ich mich die Kater zu sehen, doch das gute Gefühl wieder zu Hause zu sein wird mit jeder Reise schwächer und von dem Bedürfnis direkt wieder abzureisen überdeckt.

Mit jedem Trip wird meine Begeisterung fürs Windsurfen größer und je besser ich werde, umso motivierter bin ich mich noch mehr zu verbessern und mehr Surftrips zu machen.

Für die nächsten Monate geht`s nach Genf. Ich hoffe, dass trotzdem der eine oder andere Trip ans Meer möglich ist und der nächste Urlaub ist für Februar 2010 geplant. Die Inseln der Karibik scheinen mir die perfekte Spielwiese zu sein.


Bilder der Inseln