Barbados 05.02.2010 - 20.02.2010

 

Nur langsam bewegt sich die Schlange am Flughafen von Barbados. Durch die offene Check-In Halle sieht man den Sonnenuntergang. Vermutlich einer der schönsten meines Aufenthaltes, allerdings diesmal ohne mich. An meine Ankunft kann ich mich kaum erinnern, umso präsenter sind die zurückliegenden zwei Wochen. Das Warten auf den Wind, die Freude, wenn er tatsächlich kam (und evtl. sogar noch Wellen mitbrachte), unvorhergesehene Begegnungen mit Riesenschildkröten auf dem Wasser und die Enttäuschung, wenn die Windfinder Vorhersage doch nicht zutraf. El Nino hat es allerdings nicht nur geschafft den Wind auf Barbados durcheinander zu bringen, sondern auch die Winde anderer wichtiger Winterspots, sodass man derzeit in Foren immer wieder liest „Urlaub ist, was man draus macht“ und einen guten Urlaub hatten wir, auch mit weniger Wind.

 

Da ich während meiner Suche nach Informationen über Barbados häufig ratlos zurückgeblieben bin, hier ein Versuch die wichtigsten Infos strukturiert darzustellen. Sollte etwas fehlen, meldet euch. :)

 

How to get there

 

Von Deutschland fliegt nur Condor direkt nach Barbados. Die Flugzeit hin beträgt etwa 9:30h und zurück ist man mit Zwischenlandung und kurzem Transitaufenthalt in Porlamar insgesamt etwa 12:30h unterwegs. Surfmaterial kostet 40 Euro One Way pro 30 kg.

 

Über London fliegt Virgin Atlantic und British Airways, wobei letztere überhaupt kein Surfmaterial mitnehmen.

 

Mit US Airlines gibt es noch andere Möglichkeiten z.B. über New York, allerdings kommt man damit nicht unter 15/16h Reisedauer hin und hat den umständlichen Umstieg in New York.

 

Unterwegs auf Barbados

 

Um die Insel zu erkunden kann man einen Mietwagen nehmen (ab etwa US$40 pro Tag) oder das sehr gute Bussystem nutzen (BS$1,50 pro Fahrt).

Wir hatten die meiste Zeit einen Mietwagen, was problemlos ging. Man muss sich ein wenig an den Linksverkehr, die Schlaglöcher und fehlende Beschilderungen gewöhnen, aber mit ein wenig Lässigkeit klappt alles. Der Verkehr ist recht gesittet, es gibt wenig Regeln, aber es klappt. Häufig werden Fahrer von Seitenstraßen reingelassen, was durch Lichthupe signalisiert wird. Der Dank erfolgt dann per Hupe oder Handzeichen. Insgesamt sehr spaßig und relaxt.

Ähnlich auch die Busse. Es gibt staatliche Busse (blau mit gelben Streifen), private Busse (gelb mit blauen Streifen) und Minibusse (weiss, oft mit rotem Streifen und Taxischild oben drauf). Auf den staatlichen steht meist die Endhaltestelle drauf, was nicht heisst, dass man danach auch weiss, wo genau es hingeht. Bei den Minibussen ist vorne meist ein Schild drin, im Zweifelsfall kann man auch immer den Busfahrer oder andere Mitfahrende fragen, die durchweg nett sind. Man sagt, je kleiner der Bus, desto lauter die Musik und daher sollte man bei den Minibussen aufpassen, dass man nicht den Gospelbus erwischt und dann 30 Minuten Dauerberieselung von merkwürdiger Gospelmusik (Jesus is a cool guy oder so). Wenn Soca läuft kann man sich einfach entspannen und mitziehen lassen. Nachts sind diese Busse häufig auch nett beleuchtet, perfekt für die Heimfahrt, wobei man versuchen sollte einen Busfahrer zu erwischen, der nicht grad schon ne Pulle Rum intus hat oder den einen oder anderen Joint. Das scheint allerdings auch nicht weiter störend zu sein, die fahren dann wie immer. J

 

Reisezeit

 

Barbados ist insgesamt ein Schwachwindspot. Meist werden Segel zwischen 4.5 und 6 qm gefahren. Der Spot liegt im Einflussbereich des Passats und kann mit einer imposanten Windstatistik aufwarten. Zwischen Dezember und Juni bläst es mit über 80% >= 4 Bft. Nur die Regenzeit im Sommer hat geringere Werte. Die Durchschnittstemperatur liegt relativ konstant in den oberen 20ern/unteren 30ern und ist sehr angenehm (vor allem, wenn es hier -5 hat). Insgesamt ein super Reiseziel, vor allem im Winter.

 

Spots

 

Für mich gab es zwei/drei Hauptspots:

 

Silver Sands

 

Am Südzipfel der Insel befindet sich der bekannteste Spot Barbados. Es gibt eine Club Mistral Station, die allerdings nicht so sehr gut ausgestattet zu sein scheint, zumindest nicht für Leichtgewichte wie mich. Etwa 200m weit draußen ist in 2m Tiefe ein Riff, das schöne, meist saubere und sehr gut abzureitende Wellen produziert. An den kleinen Tagen perfekt für Einsteiger, da sie nicht hart brechen, sondern eher sanft auslaufen. Trotzdem gibt es einige Gefahren, vor allem die Strömung ist an manchen Stellen nicht ohne und da die Bucht nicht besonders groß und von Felsen gesäumt ist kann das böse enden. Zumal die Club Mistral Mitarbeiter keinen Finger krumm machen, wenn man nicht ausdrücklich Rescue gebucht hat. Man sollte auch bei wenig Wind klarkommen und lieber ein etwas größeres Board nehmen, auf dem man zur Not auch Schotstarten kann, um nicht in die Felsen  zu treiben. Aus diesem Grund sollte man auch vor der Club Mistral Station starten. Dort ist die Strömung geringer und man kommt meist einfacher raus.

 

Silver Rock

 

Eine Bucht weiter in Richtung Osten. Brian Talma hat dort sein Lager aufgeschlagen. Der Strand dort ist etwas breiter, was sehr zu seiner Beliebtheit bei Kitern beigetragen hat. Surfen kann man dort allerdings auch, die Bedingungen sind denen in Silver Sands sehr ähnlich. Zwischen den beiden Spots kann man auch ohne weiteres hin und her surfen.

 

Sandy Beach

 

Kurz vor Rockley liegt dieser Strand. Das Riff lässt eine relativ flache, fast überall stehtiefe Lagune entstehen, in der man wunderbar Freestylen kann. Das Riff ist recht flach, aber ein Stück weiter draußen kann man auch die Wellen abreiten, die normalerweise kleiner sind als in Silver Sands.

 

Gefahren

 

Beim Surfen gibt es bis auf die Felsen und an manchen Stellen unangenehme Strömung m. M. keine wirklichen Gefahren, wenn das Windsurfen halbwegs beherrscht. Das Riff liegt tief genug um bei den meisten Abgängen weit genug von Material und Surfer entfernt zu sein. Der Shorebreak kann manchmal fies und materialfressend sein. Man sollte darauf achten, einen guten Zeitpunkt zum Einstieg zu erwischen, sonst könnte das Material schnell nachgeben.

Auch sonstige Gefahren sind relativ rar. Kriminalität ist nicht so schlimm, wie auf vielen anderen Inseln, obwohl es auch Überfälle auf Touristen und Autodiebstähle etc gab. Uns ist nichts passiert und wir haben uns immer und überall frei bewegt, aber man sollte trotzdem vorsichtig sein. Drogen werden einem ständig angeboten. Auch wenn Touristen fast alles dürfen auf Barbados, Drogen konsumieren gehört nicht dazu. Insofern sollte man auch hier freundlich ablehnen.

 

 

Essen/Weggehen

 

Falls man nach dem Surftag noch Kraft hat bietet sich ein Besuch in St. Lawrence Gap an. Hier wird ausgegangen, gefeiert, gegessen und getrunken. So ziemlich alle Bars, Restaurants etc. die wir getestet haben waren super. Cafe del Sol bietet klasse mexikanisches Essen und alkoholische Mixgetränke, Harlekin ist etwas gehobener, aber mit super Essen und Ambiente. Am besten einfach hinfahren und schauen, was gut aussieht.

Zur Abkühlung am Tag, am besten Chilly Moos in Rockley ansteuern. Eisdiele mit ganz merkwürdigen Eiskombinationen zum Selbermachen.

Am Freitag ist Fish Fry in Oisins, eine absolute Empfehlung auf der Einheimische und Touristen einfach nur Feiern und nebenbei Essen und Trinken. Und bei ganz viel Langeweile am Abend kann man in die Sheraton Mall fahren, dort einheimisches und ausländisches Fast Food futtern und später ins Kino gehen (Olympus Theaters). Bei Fast Food ist Cheffette auch noch angesagt. Qualitativ hochwertig und preislich interessant. Das Preisniveau ist stark vom Dollar abhängig und war bei unserem Besuch meist etwas höher als in Deutschland (1 € = 1,38 US$). Inzwischen ist es durch den schwachen Euro noch mal um einiges teurer geworden. Einen großen Supermarkt gibt es in Oisins, dort werden alle gängigen Kreditkarten genommen. Nebenan ist auch eine Bank, bei der man über die Kreditkarte Geld abheben kann (am Schalter). Die Gebühren hierfür waren für uns günstiger als die vom Automaten, wobei das sicherlich von der Kartengesellschaft abhängt.

 

 

No Wind Beschäftigungen

 

Auch ohne Wind gibt’s einiges zu tun, auch wenn die Insel nicht groß ist. Man kann dem Shopping verfallen und seinen Vorrat an Boardshorts auffüllen (Duty Free sei Dank) oder die verschiedenen „Sehenswürdigkeiten“ anschauen, die ich hier nicht alle aufzählen werden, weil sie in jedem Reiseführer drinstehen. Wassersport aller Art wird auf Barbados großgeschrieben. Wellenreiten oder Boggieboarden ist sehr beliebt, Tauchen und Schnorcheln ebenso. Hazel's Dive Shop kann einem hierfür das notwendige Equipment zur Verfügung stellen, ebenso wie Tips zu Unterwasserparks, Schildkröten etc.

 

 

Fazit

 

Obwohl durch El Nino weniger Wind ankam als erwartet, war das einer der besten Trips ever. Klasse Stimmung und viele Möglichkeiten bei wenig Wind haben die Zeit für uns sehr angenehm gemacht. Eventuell wird es nächstes Jahr wieder Barbados, aber mal schauen, was El Nino so macht. ;)